Kommentar zum Sonntagsevangelium am 06.01.2013 - Mt. 2,1-12

Die Sterndeuter verehren das göttliche Kind

Uns sind die Weisen aus dem Morgenland so vertraut durch die Krippenfiguren, die Weihnachtsdarstellungen und die Sternsinger, dass wir im Bibeltext leicht einiges übersehen. Matthäus ist der einzige Evangelist, der von den Sterndeutern erzählt. Von  ihnen erfahren wir kaum etwas, weder Anzahl noch Herkunft, weder Namen, noch etwas über ihre Reise, weder über ihre Heimkehr, noch darüber, wie sie den Besuch reflektieren. Sie kehren in ihre Heimat zurück und ihre Spur verliert sich. Nirgendwo tauchen sie wieder auf.

Mt erzählt, dass Sterndeuter (griech. magoi)  aus dem Osten (anatolä) einem neu aufgegangenen Stern folgen, der die Geburt eines neuen Königs anzeigt. Diesen wollen sie sehen und ihm huldigen. In Jerusalem angekommen, versagt der Stern als Wegweiser, so dass die Männer sich bei König Herodes nach ihm erkundigen. Ein neugeborener König? Einer aus einer ganz anderen Familie? Das musste Herodes und alle, die ihm verbunden waren, erschrecken. Das roch nach Umsturz, Unruhe. Trotzdem ist merkwürdig, dass völlig Unbekannte mit dieser Frage von Herodes für voll genommen werden und er sie nicht als Wichtigtuer abtut. Nein, er ruft alle jüdischen Gelehrten zusammen, die diese Frage prüfen sollen. In ungewöhnlicher Einstimmigkeit verweisen sie auf ein Micha-Zitat, das Betlehem als Geburtsort des neuen Fürsten ausweist. Sieht man bei Micha (Kap5,1.3) nach, so fällt auf, dass Mt  die Stelle verändert. Während Micha Betlehem als kleinen Ort kennzeichnet, sagt Mt, es sei keineswegs die unbedeutendste Stadt, weil aus ihr der Fürst hervorgehe, der Hirt seines Volkes.

Herodes gibt den Sterndeutern heimlich die Weisung, das Kind dort zu suchen und ihm davon zu berichten. Er fügt an, auch er wolle dem Kind huldigen. Das kann man sich bei dem amtierenden König, der aus Misstrauen so viele Menschen umbringen ließ, wirklich nicht vorstellen. Der Leser heute weiß das, die Sterndeuter scheinen nichts Böses zu ahnen. Der Stern weist ihnen jetzt wieder den Weg, bis er über dem Haus, wo sie das Kind und seine Mutter sehen, stehen bleibt. Sie begrüßen das Kind  mit übergroßer Freude als göttliches Kind, indem sie sich niederwerfen und ihm huldigen. Ihre Geschenke sind sehr ungewöhnlich: Gold,Weihrauch (libanon) , Myrrhe (smyrnan). Vielleicht ist auch das Gold eine Weihrauchsorte. Sie schenken Dinge, die im Kult zur Gottesverehrung  gebraucht werden. Durch einen Hinweis im Traum – Heiden erscheinen keine Engel – gehen die Magier doch nicht zu Herodes zurück, sondern auf einer anderen Strecke in ihre Heimat.

Mit dieser ungewöhnlichen, einzigartigen Erzählung möchte Mt seinen Lesern einiges über Jesus mitteilen.

Er zeigt, dass gebildete Heiden sich für diesen Jesus interessieren. Er deutet an, dass Jesus Schwierigkeiten mit politischen und religiösen Autoritäten bekommen wird. Er zeigt, dass mit dem Stern eben nicht der König Herodes gemeint ist, der in Münzen sich selbst mit einem Stern schmückt, wie es viele Herrscher damals taten, sondern dass der Stern dem Kind in Betlehem gilt. Er weist mit dem Stern vielleicht auch auf  Numeri 24,17 hin. Hier spricht der Seher Bileam von einem Stern, der in Israel aufgehen wird und einen mächtigen König verheißt.  Mit den Geschenken zeigt er Jesus als Gottes Sohn. Über Betlehem bringt Mt Jesus in Verbindung mit dem großen König David. So zeigt Mt, dass Jesus in verschiedenen jüdischen Traditionen verwurzelt ist. Er tut das nicht in trockenen Sätzen, sondern in dieser wunderbaren, sehr dichten Erzählung, die die Menschen so fasziniert, dass sie diese oft weitererzählt haben auf vielfältige Weise.

Mathilde Bockholt

 
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