80 Jahre Vinzenzkonferenz an St. Quirinus in Dottendorf 1936 - 2016

Liebe Gemeinde St. Quirinus!

In diesem November besteht in unserer Pfarrei seit 80 Jahren die Vinzenzkonferenz. Wir nehmen dies zum Anlass, um aus diesen Jahren zu berichten und unsere Arbeit vorzustellen.

Die Gründung im November 1936 erfolgte zu einer Zeit, in der private sowie auch die kirchlich getragene Eigeninitiative nicht erwünscht war, ja als störend und staatsfeindlich angesehen wurde, waren es doch Jahre, in denen politische Erfolge, wie Olypische Spiele oder die Rheinlandbesetzung, die tatsächliche Not vieler Menschen völlig in den Hintergrund stellten.

Gemeinsam gründete Pfarrer Schüller mit Herrn Gustav Oel sowie weiteren Männern aus der Gemeinde am 10.11.1936 die Vinzenzkonferenz. Die Arbeit wurde unter folgendem Motto aufgenommen:

Der Herr Vorsitzende dankte für das Vertrauen und erwähnte dabei, dass wir uns als eine verschworene Gemeinschaft fühlen müssten, getragen von gegenseitigem Vertrauen, um die Not zu lindern, in leiblichen und seelischen Bedrängnissen beizustehen.

Dass dies nicht unbegründet war, zeigte die Vorladung des Vorsitzenden zur Geheimen Staatspolizei.

Ziel war es, den Pfarrer bei seinen caritativen Aktivitäten zu unterstützen. Der Zeit entsprechend wurde neben der Hilfe bei materieller Not in Form von Naturalgaben auch ein neues Tätigkeitsfeld erforderlich - die Betreuung der Gemeindemitglieder, die in den Krieg ziehen mussten und von daheim Päckchen erhielten, die nicht nur die persönlichen Bedürfnisse befriedigten, sondern auch Beigaben in Form von Lesestoff enthielten.

Mit Herannahen der Front nach Bonn Anfang März 1945 trafen sich die Mitglieder der Vinzenzkonferenz zu einer letzten Sitzung vor dem Kriegsende. Nachdem nicht absehbar war, was die Zukunft bringen würde und in welcher Form eine weitere Tätigkeit möglich werden könnte, entschied man sich, das Geld der Konferenz auf die Mitglieder zu verteilen, damit die weitere Betreuung der Bedürftigen gesichert war.

Die Jahre nach dem Krieg waren sehr arbeitsreich, weil viele Menschen aus dem Osten eingetroffen waren. Die heimkehrenden Soldaten bedurften der Unterstützung und die Kriegsgefangenen durften ebenfalls nicht vergessen werden. Zum Glück gab es immer wieder ausländische Spenden, mit denen die damaligen begrenzten Möglichkeiten ein wenig unterstützt werden konnten und die viele Aktivitäten überhaupt erst möglich machten. In dieser Zeit wurde die erste Weihnachtsfeier für die Senioren veranstaltet, einer jährlich wiederkehrenden Feier, die sich bis heute nach fast 40 Jahren zu einer unserer markanten Aktivitäten im Jahresablauf entwickelt hat.

Um die vorhandenen Geldmittel nicht bei der Währungsreform zu verlieren, wurden sie an bedürftige Menschen zum Einlösen bei deren Kopfquoten gegeben, die dann ihrerseits der Konferenz das Geld in Form von DM zurückzahlten.

Nachdem damals in Dottendorf kein Kindergarten existierte, der Bedarf jedoch vorhanden war, ging von der Vinzenzkonferenz und hier besonders von Herrn Oel, die Initiative aus, diesen ins Leben zu rufen. Es wurde ein Bauverein gegründet und vieles in Eigeninitiative der Gemeinde geleistet, bis 1954 Kindergarten und Pfarrheim in den Räumen des Gustav Oel Hauses in der Kessenicher Straße eingeweiht werden konnten.

1972 wurde in Trägerschaft der Vinzenzkonferenz das erste Pfarrfest durchgeführt, eine Veranstaltung, die seitdem einen wichtigen Punkt im Pfarrleben aber auch im Wirken der Dottendorfer Vereine darstellt.

Um unseren Senioren eine Möglichkeit zum geselligen Beisammensein zu bieten, gründete die Vinzenzkonferenz im Jahre 1975 den jetzigen Seniorenclub mit seinen mittlerweile regelmäßigen wöchentlichen Treffen im Pfarrsaal.

Natürlich wird die Arbeit im Bereich der Pfarrcaritas bis heute weiter betrieben. Dabei ist es uns wichtig, dies diskret zu tun. Neben der Hilfe bei materiellen Notlagen ist es für uns ein ganz besonderes Anliegen, unsere Besuchsdienste bei seelischen Notlagen aber natürlich auch zu Geburtstagen und anderen Jubiläen durchzuführen. Dazu gehören auch die Veranstaltungen, die wir für die Senioren zum Karneval, mit unserer Sommerfahrt und im Advent durchführen.

Nachdem die Vinzenzkonferenz in Dottendorf den Bereich der Pfarrcaritas abdeckt, ist natürlich ohne solide Finanzen eine Arbeit wie die unsere nicht möglich. Daher wurde uns von Anfang an die Möglichkeit eingeräumt, an einem der ersten Wochenenden eines jeden Monates an den Kirchtüren unsere Türsammlungen abzuhalten.

Tradition ist auch die seit 1936 während jeder Sitzung der Vinzenzkonferenz stattfindende Hutsammlung.

Seit 1948 führen wir die Caritassammlungen durch, die einen wesentlichen Anteil unserer Einnahmen darstellen.

Ein weiteres Standbein unserer Einnahmen stellt der Vinzenzverein dar, dessen Mitglieder die Vinzenzkonferenz in Form eines Fördervereines unterstützen.

Da wir seitens des Finanzamtes als gemeinnützig anerkannt sind, können wir auch Spenden, die außerhalb der vorgenannten Einnahmen eingehen, entsprechend bescheinigen.

Die Initiative zur Gründung und das weitere aktive Konferenzleben in unserer Gemeinde sind ohne den Hintergrund der Ideen des geistigen Vaters Vinzenz von Paul – geboren 1581 in der Gascogne - nicht denkbar.

Für ihn, dem eigentlich eine sichere Zukunft als Geistlicher mit entsprechender Pfründe ein sorgenfreies Leben versprach, wurde die Christliche Idee, den Ärmsten zu dienen, Lebensinhalt. Er verstand es, seine Ideen nicht nur zu verbreiten, sondern auch Menschen zu gewinnen, die diesen Idealen ihr Leben widmeten.

Neben der Gründung eines Ordens entstand in späteren Jahren dann, angeregt durch Frédéric Ozanam, in der Form der Vinzenzkonferenzen auch eine Laienorganisation, welche die Ideale von Vinzenz von Paul in die einzelnen Gemeinden umsetzt. So wurde die erste Vinzenzkonferenz Deutschlands 1845 gegründet.

Anlässlich unseres Jubiläums zum 80. Gründungstag laden wir Sie, liebe Gemeindemitglieder, zu unserem Festgottesdienst am 12. November 2016 um 18.00 Uhr in unserer Pfarrkirche ganz herzlich ein.

Und nun eine Bitte im eigenen Interesse: Um diese Aufgaben für die Menschen in Dottendorf weiter durchführen zu können, benötigen wir neue Mitglieder, natürlich Damen und Herren. Haben Sie den Mut und bringen sich bei uns ein. Die Menschen, die wir unterstützen, werden es Ihnen mit Sicherheit danken. Neben finanzieller Unterstützung von bedürftigen Menschen besuchen wir die Senioren unserer Gemeinde und führen für sie drei Veranstaltungen im Jahr durch. Es bedarf keiner Vorkenntnisse oder besonderer Fertigkeiten. Die Bereitschaft, sich für andere Menschen einsetzen zu wollen, ist mehr als ausreichend. Bei Interesse melden Sie sich doch einfach bei Herrn Dreeser – 232349 – oder im Pfarrbüro – 231597. Wir nehmen dann gerne mit Ihnen Kontakt auf und freuen uns bereits auf Sie.

Für die Vinzenzkonferenz Christoph Hübner – Schriftführer -



Die Vinzenzkonferenzen und die Dottendorfer Vinzenzkonferenz

Die Vinzenzkonferenzen sind benannt nach dem heiligen Vinzenz von Paul (1581-1660), der im 17.Jahrhundert  sich in Frankreich für  Arme, Gefangene und Kranke besonders einsetzte und Orden zur Abhilfe der Not  gestiftet hat.

Die Geburtsstunde der Vinzenzkonferenzen (VK) war im 19.Jahrhundert. Ein Professor der Pariser Sorbonne, Frederic Ozanam, antwortete auf die Not des städtischen Proletariats, und gründete mit Studenten am 23.April 1833 eine Organisation, die  1834 nach Vinzenz von Paul benannt wurde. Schon durch seine Eltern, sein Vater war Arzt, der Arme kostenlos behandelte, war Frederic mit der Not vieler Menschen als Folge der Industrialisierung vertraut worden. In  der Vinzentinerin Schwester Rosalie Rendu fand Ozanam in Paris eine Anregerin und Unterstützerin für sein Engagement zugunsten der Bedürftigen. Es ging ihm darum, nicht nur über die Not der Mitmenschen zu reden, sondern die Linderung derselben praktisch in Angriff zu nehmen. „Die Lebenskraft unseres Glaubens muss sich in Werken der der Liebe erweisen. Reden wir nicht so viel von Cariatas! Lieber wollen wir sie üben und den Armen wirklich helfen!“ Hans Maier urteilt über ihn:“Ozanam war der befeuernde Geist der caritativen Laienbewegung in Frankreich geworden.“ (Kirche und Revolution S. 210) Er habe mitgeholfen „bei den franzöischen Katholiken jenes Gefühl sozialer Verantwortung zu wecken“ (ebenda, S.211), ohne die auch die beste Theorie nutzlos werde.

Durch seine Spiritualität unterschieden sich die Vinzenzkonferenzen von bloß humanitären Bewegungen. Ozanam schreibt selbst in einem Brief, warum das Leben Vinzenz von Paul prägend für ihre Gemeinschaft sei. „Er (Vinzenz von Paul) ist ein Typus, den wir in uns selbst nachschaffen müssen, wie er seinerseits das göttliche Beispiel, das Jesus Christus ist, an sich verwirklicht hat.“

Das Beispiel der Vinzenzkonferenz in Paris wirkte schnell anregend für weitere Gründungen im In- und Ausland. War der vinzentinische Gedanke noch zu Lebzeiten Ozanams schon in 17 Ländern zu Hause, gibt es heute in 134 Ländern Konferenzen mit ca. 1 Million Mitgliedern. Die erste VK auf deutschem Gebiet wurde 1845 in München gegründet. In Dottendorf kam es am 10. November 1936  im Beisein von Pfarrer  Matthias Schüller zur Gründung einer Vinzenzkonferenz. Gründungsmitglieder waren Gustav Oel, Johannes Mengden, Heinz Schleimer und Jakob Schmitz.

Die Vinzenzkonferenz trifft sich regelmäßig (wenigstens einmal im Monat), berät über notwendige Hilfe für Bedürftige der Gemeinde und über besondere Aktionen, die dreimal im Jahr stattfinden (Seniorensommerfahrt, Adventsfeier, karnevalistisches Zusammensein). Außerdem  werden die Geburtstagsbesuche (ab dem 75. Lebensjahr) verteilt. Einmal im Monat gibt es im Anschluss an die Messe eine Türsammlung für die Anliegen der VK und im Sommer führt sie die jährliche Caritassammlung der Pfarrgemeinde durch.


icon Flyer Vinzenzkonferenz Dottendorf (49.1 kB) 

 
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